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Außenminister Heiko Maas zur IHRA-Arbeitsdefinition von Antiziganismus

31.03.2021 - Artikel

Am 31.03.2021 hat das Bundeskabinett die nicht rechtsverbindliche Arbeitsdefinition von Antiziganismus der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA) angenommen.

Die Arbeitsdefinition wurde unter deutschem IHRA-Vorsitz beraten und am 8. Oktober 2020 von den 34 IHRA-Mitgliedsstaaten beschlossen. Deutschland ist das erste Land, welches die Arbeitsdefinition auch auf nationaler Ebene angenommen hat. Andere Staaten und zivilgesellschaftliche Organisationen sollen damit ermutigt werden, sie ebenfalls anzuwenden. Dazu sagte Außenminister Maas heute (31.03.):

Der Völkermord an den Sinti und Roma während der NS-Zeit ist viel zu lange in Vergessenheit geraten. Noch heute gibt es großen Aufholbedarf bei der Auseinandersetzung mit diesem ebenfalls von Nazi-Deutschland ausgehenden Verbrechen. Antiziganismus und Diskriminierung von Sinti und Roma gibt es aber leider schon viel länger, und er hält sich bis heute hartnäckig in unseren Gesellschaften.

Es war eines unserer Ziele während unseres Vorsitzes der International Holocaust Remembrance Alliance, das internationale Bewusstsein genau für dieses Phänomen zu schärfen. Mit der Arbeitsdefinition Antiziganismus haben wir jetzt ein Instrument geschaffen, das dabei hilft, weit verbreitete antiziganistische Stereotype zu erkennen und Hass und Hetze gegenüber Sinti und Roma etwas entgegen zu setzen – sowohl im institutionellen Rahmen als auch durch die Zivilcourage eines jeden Einzelnen, der Diskriminierung und Antiziganismus beobachtet.

Mit dem heutigen Beschluss des Bundeskabinetts wollen wir eine breite Anwendung der Definition sowohl international als auch innerhalb Deutschlands fördern. Das ist gerade vor dem Internationalen Tag der Roma am 8. April ein wichtiges Zeichen für die Rechte von Roma weltweit.

Weiterer Hintergrund:

Die Arbeitsdefinition Antiziganismus stellt ein nützliches Werkzeug dar, um Hass, Rassismus und Diskriminierung sowohl im Alltag als auch im Netz zu erkennen und entschieden entgegen zu treten. Die Arbeitsdefinition soll insbesondere in der Schul- und Erwachsenenbildung sowie in der Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Justiz und Exekutive zur Anwendung kommen. Sie erleichtert es, die verschiedenen Facetten und Ausformungen von Antiziganismus als eine bestimmte Form von Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung zu erkennen und zu analysieren. Hier können Sie die Arbeitsdefinition von Antiziganismus einsehen.

Heute endet die einjährige deutsche Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Der Vorsitz geht nun an Griechenland über. Deutschland wird sich als Troika-Mitglied weiter an der Seite des griechischen Vorsitzes für die Implementierung der im letzten Jahr angestoßenen Projekte einsetzen, wie zum Beispiel die von Außenminister Maas initiierte Global Task Force on Holocaust Distortion. Mehr zu den Schwerpunkten der deutschen IHRA Präsidentschaft erfahren Sie hier: ihra2020.diplo.de

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