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Grußwort von Botschafterin Michaela Küchler anlässlich der Gedenkfeier des Freundeskreises Yad Vashem e.V.

26.01.2021 - Artikel

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wurde die Annahme der IHRA Arbeitsdefinition von Antisemitismus durch Borussia Dortmund, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Volkswagen gewürdigt.

Am 27. Januar, am Internationalen Holocaust-Gedenktag, gedenken wir der 6 Millionen ermordeten jüdischen Männer, Frauen und Kinder, der ermordeten Sinti und Roma und Abertausender weiterer Opfer der Nazi-Diktatur. Aber eigentlich müssten wir nicht nur heute, sondern an jedem Tag des Jahres an die Menschen erinnern, die den Mördern in die Hände fielen. Denn an jedem Tag während der 12-jährigen Schreckensherrschaft der Nazis wurde diskriminiert, denunziert, , verhaftet, gefoltert und gemordet.

Die Leiden der Opfer übersteigen unser Vorstellungsvermögen. Und sie berühren jeden und jede, der von ihnen hört oder liest. Umso verstörender ist es, wenn wir heute sehen, wie Männer in T-Shirts mit der Aufschrift „Camp Auschwitz“, als ob es sich um ein Ferienlager handelte, das Kapitol in Washington stürmen. Oder Menschen bei uns mit gelben Sternen und der Aufschrift „ungeimpft“ gegen Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie demonstrieren. Und kommt ein 12-jähriges Mädchen wirklich von alleine auf die Idee, sich mit der im Hinterhaus versteckten und um ihr Leben fürchtenden Anne Frank zu vergleichen, wenn es wegen der Corona-Einschränkungen seinen Geburtstag nicht feiern kann?

Was ich beschreibe, nennt man Holocaust-Verfälschung und -Verharmlosung. Diese Erscheinungsformen befeuern Hass, Verschwörungsmythen und Antisemitismus. Sie fordern unsere Demokratie, unsere offenen, diversen und integrativen Gesellschaften heraus. Ihnen entgegenzutreten, ist unser aller Aufgabe.

Ich begrüße es daher sehr, dass Borussia Dortmund, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank und Volkswagen sich unter Ihrer Leitung, sehr geehrter Herren Dr. Achleitner, Källenius, Kilian, Dr. Lutz und Watzke, entschlossen haben, Ihrer Spende an Yad Vashem für den Shoa Legacy Campus einen bedeutsamen Akt folgen zu lassen: das Bekenntnis zur  Arbeitsdefinition Antisemitismus der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken - IHRA.

Die Definition hilft, Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen zu erkennen und ist damit der erste und wichtigste Schritt, dieses Virus, das seit Jahrhunderten die Menschheit befällt, einzudämmen.

Ihr Bekenntnis ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur deutschen Präsidentschaft in der IHRA.

Mehr noch: Sie zeigen damit, dass Sie nicht nur die Gefahren für unser Gemeinwesen durch wuchernden Antisemitismus erkennen, sondern auch gewillt sind, etwas dagegen zu tun. Ich bin sicher, Sie werden sich darum kümmern, dass Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Menschen, die Sie mit Ihren Unternehmen erreichen, die Kunden von Daimler, der Deutschen Bank und von Volkswagen, die Reisenden der Deutschen Bahn, die Fans der Borussen sensibilisiert werden für Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus. Wo ich Sie dabei unterstützen kann, will ich das gerne tun. Ich bin sicher, Ihr Beispiel wird Schule machen.

Danken will ich dem Freundeskreis Yad Vashem, seinem Vorsitzenden Kai Diekmann und Ruth Ur, die unermüdlich daran arbeiten, dass der Holocaust nicht vergessen wird, dass wir uns erinnern, dass Antisemitismus keinen Platz hat.

Deutschland trägt eine besondere Verantwortung dafür, die Erinnerung an den Holocaust  zu bewahren und Antisemitismus zu bekämpfen. Heute ist bei aller Trauer über das Leid der Opfer ein Licht der Hoffnung entzündet worden, ein Leuchtturm, der uns den Weg weist in eine Welt, die an den Holocaust erinnert, eine Welt ohne Ausgrenzung und Hass, eine Welt ohne Völkermord.

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