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„Gegen das Vergessen“ - Fotoprojekt

Ausstellung Gegen das Vergessen in Wien

Ausstellung „Gegen das Vergessen“ in Wien, © Roland Schlager/APA/dpa

21.04.2020 - Artikel

Das multimediale Erinnerungsprojekt des deutsch-italienischen Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano porträtiert seit 2014 weltweit Überlebende der NS-Verfolgung. Doch die Jahre sind gezählt: In nicht allzu ferner Zukunft wird es keine lebenden Zeitzeugen mehr geben.

Wie konnten Menschen anderen Menschen so viel Leid zufügen? Warum hat niemand etwas dagegen getan? Wie können wir verhindern, dass so etwas je wieder geschieht?

Lange bevor Luigi Toscano mit dem Fotografieren begann, haben ihn diese Fragen nicht losgelassen. Im September 2014 bekam er dann endlich die Gelegenheit, persönlich mit Überlebenden darüber sprechen: Fünf ehemalige KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter aus Polen, die zu einer Gedenkveranstaltung in Toscanos Heimatstadt Mannheim gekommen waren, erklärten sich bereit, GEGEN DAS VERGESSEN zu unterstützen. Schon damals war klar: Das wird viel mehr als ein kurzfristiges Projekt. Und es wird alles andere als einfach.

Hinter jedem Porträt steht eine ganz persönliche Geschichte. Jede von ihnen ist einzigartig, aber jede wurde auch für die vielen anderen erzählt, die nicht mehr gehört werden können. Es sind Geschichten von Kindern, deren Familien verschleppt und ermordet wurden. Geschichten von Jugendlichen, die gedemütigt und misshandelt wurden. Erinnerungen an Leid, Hunger und Kälte; an Angst, Verrat und Tod. Manchmal erzählen die Geschichten auch von Hoffnung, Freundschaft und Menschlichkeit. Bei fast jedem Gespräch wurde deutlich: Es begann nicht plötzlich mit Vertreibung und Völkermord. Es war ein schleichender Prozess, der die Mauern in den Köpfen immer höher baute. Die Mauern, die „uns“ von „den Anderen“ trennten. Die Mauern, die „die Anderen“ immer weiter herabwürdigten und entfremdeten, bis sie nicht mehr wie Menschen behandelt wurden. Diese „Anderen“ sind die Gesichter des Projekts GEGEN DAS VERGESSEN.

Fast 75 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager ist die Distanz zu den Verbrechen im Nationalsozialismus weiter gewachsen. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht von der Gegenwart und Zukunft trennen, denn der Umgang mit der Geschichte prägt unser Denken und Handeln.

Luigi Toscano kämpft mit GEGEN DAS VERGESSEN gegen jede Form von Ausgrenzung und für Offenheit, Toleranz und Demokratie. Er gibt der Erinnerungskultur mit seinem Projekt ein menschliches und emotionales Gesicht. Dadurch überwindet er die historische Distanz zu den NS-Verbrechen und zeigt: Damals wie heute gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten, die uns verbinden, als Unterschiede, die uns trennen.

Seine überlebensgroßen Porträts präsentiert Luigi Toscano an zentralen Orten, die für alle zugänglich sind – Parks, Plätze oder Häuserfassaden. Auf diese Weise finden sie einen direkten Zugang in den Alltag und das Bewusstsein der Menschen – unabhängig von Herkunft, Alter oder Bildung. Diesem demokratischen Anspruch bleibt GEGEN DAS VERGESSEN bereits seit vielen Jahren treu. Im Hinblick auf konkrete Formen und Konzepte dagegen ist das Projekt offen für neue Impulse und Kooperationen. Ein Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und Pädagogen. Dadurch haben Jugendliche die Möglichkeit, ihre Ideen einzubringen und die Art und Weise mitzugestalten, wie das Projekt seine Botschaft vermittelt.

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