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Machen Sie mit! Holocaustgedenken der Städte, Gemeinden und Landkreise

Holocaust Gedenktag - Berlin

Holocaust Gedenktag - Berlin, © Christoph Soeder/dpa

10.03.2020 - Artikel

Im Rahmen des deutschen Vorsitzes der IHRA rufen das Auswärtige Amt und die Städte, Gemeinden und Landkreise dazu auf, mit Veranstaltungen an den Holocaust, an den Völkermord an den Sinti und Roma und ihre Vorgeschichte zu erinnern.

Dies schließt auch die Beschäftigung mit Beiträgen ein, die Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma zu Wissenschaft, Kunst, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft geleistet haben und heute leisten. Vorrangig sollen diese Veranstaltungen dabei die Schwerpunkte der Arbeit der IHRA in den Vordergrund stellen: Die Leugnung und Verfälschungen des Holocaust aktiv zu bekämpfen und die Sicherung der historischen Dokumentation zu gewährleisten.

Die Städte, Gemeinden und Landkreise sind dazu eingeladen, ihre Vorhaben zur Information dem Auswärtigen Amt zu übersenden (Kontakt). Das Auswärtige Amt behält sich vor, die Vorhaben auf dieser Webseite zu präsentieren. Außerdem stellt das Auswärtige Amt den Kommunen das Logo des deutschen IHRA-Vorsitzes zur Verfügung. Das Logo kann hier angefordert werden.

Folgende Beispiele werden zur Inspiration genannt:

Vereine könnten sich mit dem Schicksal ihrer jüdischen Mitglieder ab 1933 beschäftigen und diese für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Haben sich die Institutionen an der Ausschaltung der Juden aus dem Kulturleben, dem sportlichen oder gesellschaftlichen Leben beteiligt oder stellten sie sich schützend vor ihre Mitglieder?
Mit diesem Thema beschäftigt sich das im März 2020 im Campus-Verlag erschienene Buch von Dr. Jörg Osterloh: „Die Ausschaltung der Juden aus dem Kulturleben im ´Dritten Reich´“.
Dem Schicksal geflohener oder ausgewanderter ehemaliger Mitglieder können Sie mithilfe der Association of Jewish Refugees in Großbritannien nachspüren. AJR verfügt über 250 Interviews mit Überlebenden, die aus diversen deutschen Städten und Dörfern nach Großbritannien ausgewandert oder geflüchtet sind, in Video-, Audioform und als Transkript und kann diese auf Anfrage zur Verfügung stellen.

Ein Gemeindeparlament könnte die Zusammensetzung und das Abstimmungsverhalten sowie die Maßnahmen gegen Jüdinnen und Juden und Sinti und Roma ab 1933 näher betrachten und medienwirksam aufarbeiten.
Folgende Literatur kann als Ausgangspunkt dienen und zum Vergleich nützlich sein:
„Das Sonderrecht für die Juden im NS-Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen aßnahmen und Richtlinien - Inhalt und Bedeutung“, hrsg. von Joseph Walk, 2. Aufl., Müller, Heidelberg, 2013.
„ Der Gemeindetag. Zeitschrift für deutsche Gemeindepolitik“, Fachzeitschrift erschienen von 1933 bis 1943.
Überblicksdarstellung für die Bundeszentrale für Politische Bildung von Rüdiger Fleiter.

Lokale Initiativen könnten nach Spuren jüdischen Lebens, Synagogen, Mikwen, Vereinen, Gemeindehäusern suchen, sie dokumentieren und ihr Gedenken gewährleisten. Dabei könnte ein Fokus auf die Enteignung der Juden gelegt werden.
Als Literatur empfiehlt sich: Bettina Leder, Christoph Schneider, Katharina Stengel: „Ausgeplündert und verwaltet“ Geschichten vom legalisierten Raub an Juden in Hessen, Hentrich und Hentrich, Berlin 2018.

Stadtbibliotheken und Stadtarchive könnten aus ihren Beständen zur Thematik passende Ausstellungen zusammenstellen und damit zu weiteren Aktivitäten und Engagement im Kampf gegen Holocaustleugnung und -Verfälschung anregen.
Beispiele hierfür finden sich in der Schriftenreihe Marchivum (Mannheims Archiv): „Der Kommandant und die Bibelforscherin. Rudolf Höß und Sophie Stippel. Zwei Wege nach Auschwitz“, Mannheim 2018.

In vielen Gemeinden gab es Konzentrationslager, deren Geschichte bis heute nicht komplett aufgearbeitet ist. Kürzlich entdeckte Quellen erlauben neue Erkenntnisse und gewähren einen umfassenden und vertieften Blick auf die Geschehnisse. Die Gemeinden könnten entsprechende Forschungen ihrer Universitäten diesbezüglich fördern und sie in geeigneten Formaten für die Bevölkerung erfahrbar machen.
Ein Beispiel liefert: Geschichte des Konzentrationslagers Katzbach in Frankfurt am Main, Ernst Kaiser, Michael Knorn: „Wir lebten und schliefen zwischen den Toten“, Campus Verlag, Frankfurt 1993.

Auch Sinti und Roma waren Ziel der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Ihrer wird zum Beispiel in Buchenwald oder Merseburg gedacht:
Gedenksteine Buchenwaldbahn/Weimar
Stele zur Erinnerung an die Merseburger Sinti und Roma
Um diese Thematik aufzuarbeiten und der Bevölkerung zugänglich zu machen, entwickelte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma eine transportable Ausstellung. Zusätzlich wird eine ständige Ausstellung angeboten, die z.B. von Schulen häufig in Anspruch genommen wird. Auch die Landesverbände des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma dienen als Ansprechpartner, die historische Vermittlung des Themas betreffend. Bei Interesse können die einzelnen Mitgliedsverbände hier kontaktiert werden.

Dabei gilt: Es geht nicht nur darum, den Blick zurück. Ja, Zukunft braucht Erinnerung. Aber, historisches Wissen wollen wir nicht nur bewahren, sondern in soziales und politisches Verhalten heute umsetzen.

Um es mit den Worten von Bundesaußenminister Heiko Maas zu sagen:

Die Taten, für die Auschwitz stellvertretend steht, sind für immer mit uns verbunden. Deutsche planten, organisierten und führten den Massenmord an 6 Millionen Jüdinnen und Juden aus. Wir bekennen uns zu der Verantwortung, die uns aus diesem Menschheitsverbrechen erwächst. Sie obliegt jedem Einzelnen in unserem Land. Das Erinnern und das Eintreten gegen Antisemitismus, Antiziganismus und jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus gehören untrennbar zusammen.

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